Daj mi Torba, jebi ga – Der Zauber der CeBIT

Seit den 80er-Jahren eröffnet die internationale Computermesse CeBIT den Blick auf die Zukunft der Informations- und Telekommunikationsbranche. Und weil Serbiens Top 1-Wissenschaftler Nikola Tesla quasi der Erfinder des Telefons ist und damit indirekt das Internet zu einer serboamerikanischen Erfindung wird, ist die CeBIT eigentlich auch ein Event von erheblicher Relevanz für die Bevölkerung auf dem Balkan. Nicht nur deshalb reisen jedes Jahr im Winter, wenn es draussen schneit, ein paar Serben zur CeBIT nach Hannover. Keine Frage natürlich für einen Hobby-Balkanesens mit seinem Großvater, der by the way den Wasserkocher in Jugoslawien erfand, dann auch die CeBIT zu besuchen – und das auch noch in der schönsten Stadt Deutschlands.

Unsere Motive waren nun zugegebener Maßen etwas niederschwelliger als die Motive der Delegation der Balkan-Wirtschaft. Wir hatten unseren Fokus auf andere Aspekte: Ich suchte Infos zu meinem Heimcomputer der Marke Commodore, tolle Aufkleber und ein paar tolle Werbegeschenke. Der zweitgrößte Erfinder Südosteuropas war auf der Suche nach neuen innovativen Ansätzen im CAD/CAM-Bereich sowie tollen Werbegeschenken und natürlich Tüten. Die Tage auf der CeBIT werde ich nie vergessen – sie liefen immer nach dem selben Muster ab: Wir fuhren morgens in einer überfüllten U-Bahn zum Messegelände (Eingang Nord), besuchten die Hallen eins und zwei. Hauptgrund: Stand von Commodore, Star printers und Microsoft. Danach machten wir uns den ganzen Tag auf Suche nach coolen Werbegeschenken… und nach Tüten. Am Nachmittag machten wir uns auf den Heimweg. Ich war dann den ganzen Samstag-Nachmittag beschäftigt die Ausbeute zu sichten. In guten Jahren hatten wir eine gute Ausbeute: rund 100 Aufkleber und round about 150 Tüten.

Der geneigte Leser wird sich nun die Frage stellen, wozu braucht man 100 Aufkleber und 150 Tüten? Ganz einfach: Mein Großvater fuhr einen Ford Taunus, eckige Version, der innerhalb eines Jahres ein paar rostige Stellen oder Lackschäden bekam… Aufkleber können helfen. Mit den Tüten habe ich das nicht so richtig verstanden… Bis ich in einem Urlaub in Montenegro die halbe Nachbarschaft in Ulcinj mit CeBIT-Tüten spazieren gehen gesehen habe. Das war cool, mein Großvater transporte die Tüten in kleinen Mengen nach Jugoslawien und schenkte diese dann großzügig an Nachbarn. Die Tüten waren kult. Und mal ehrlich, wie viele Leute heben heute noch ihre Einkaufstüten von teuren Markenherstellern oder Läden auf, da gibt es viele.

Auch heute noch bin ich gerne auf der CeBIT. Mittlerweile arbeite ich dann dort… Habe dann keine Zeit zum Sammeln von Aufklebern… Ist aber auch nicht schlimm. Mein Opa fährt ja auch nicht mehr Ford Taunus. Aber ich freue mich, wenn ich dann Leute sehen, die schwer beladen durch die Hallen ziehen. Oftmals sind es Großväter mit ihren Enkeln – davon haben bestimmt viele Wurzeln auf dem Balkan. Nikola Tesla würde sich freuen… In diesem Sinne: „Daj mi Torba, jbg“

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