Trevl Gajd tu Srbija – Tipps für die perfekte Anreise

Urlaubszeit ist Reisezeit – viele der geneigten Leser dieses Blogs nutzen die Urlaubszeit auch für Reisen in das Ausland. Manch einer auch für eine Reise auf den Balkan. Um eine Reise allerdings von Anfang an zu genießen, sind ein paar Punkte unbedingt zu beachten. Im Folgenden gebe ich Ihnen ein paar Hinweise und Ratschläge. Ob Sie diese beherzen ist Ihre Sache – ich würde es.

Artikel aus Novosti 17. Juli 1998
Artikel aus Novosti 17. Juli 1998

Braucht man für Serbien ein Visum?

Lange Zeit benötigte man für Reise nach Serbien ein Visum – egal wie man einreist. In der Regel war das kein Problem. Man besuchte ein Generalkonsulat des Landes, das in den letzten 10 Jahren mindestens zweimal den Namen wechselte, füllte unendlich lange Formulare aus, wartete lange in einem Warteraum dessen Fenster vergittert waren und wurde dann von mürrischen Konsularbeamten beraten. Irgendwann nach gefühlten 2,5 Stunden hielt man dann seinen Reisepass mit dem richtigen Visa in der Hand. Wenn man irgendetwas vergessen hatte (z.B. Geld oder den Pass oder eine offizielle Einladung oder sonst irgendetwas) musste man unverrichteter Dinge an einem anderen Tag die selbe Prozedur über sich ergehen lassen. Und wenn man es dann irgendwann geschafft hat, freut man sich wie ein Schneekönig über den lustigen Visa-Stempel im Pass.

Vor ein paar Jahren sollte es mal ganz anders ablaufen: Während ich an der Universität der schönsten Stadt Deutschlands eine Lehrveranstaltung zum Balkan anbot, berichtete die serbische Tageszeitung „Novosti“ über mich. War ziemlich cool. Dem Novosti-Korrespondenten Miki sei dank. Ein paar Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels war ich im Generalkonsulat und wollte für eine anstehende Forschungsreise ein Visum beantragen und es auch gleich mitnehmen.

Irgendwie dauerte es diesmal etwas länger im Konsulat. Der konsularische Beamte rief mich dann zu sich und sagte mir, dass er es sich gutfindet, wenn man sich an einer deutschen Hochschule mit dem Balkan beschäftigt. Ich war erstaunt! Er holte einen anderen Stempel als sonst, schlug meinen Pass auf und stempelte eine Seite. Verabschiedete sich und wünschte mir eine gute Reise. Ich verliess die Villa der damaligen SR Jugoslavija in Hamburg und kontrollierte auf dem Weg zum Auto meinen Pass. Jedes Mal ist es ein Erfolgserlebnis, wenn das Visum für die einmalige Ein- & Ausreise im Pass verewigt wurde. Doch diesmal stockte mir der Atem. Vor Freude begann ich leicht zu hyperventilieren. In meinem Pass war ein Visum… aber nicht für eine einmalige Ein- & Ausreise, sondern ein Dauervisum für die mehrfache Ein- und Ausreise.

Doch mittlerweile können Bürger des Schengen Raumes Serbien ohne Visum bereisen. Das ist ein wichtiger Fortschritt – aber solche Glückserlebnisse, die man einst hatte, wenn die Tinte des Visums langsam im Pass trocknete, bleiben dann aber aus.

Quelle: JAT 1963, unbekannt
Quelle: JAT 1963, unbekannt

Welchen Reiseweg sollte man wählen?

Wenn man sich auf dem Balkan bewegt, fährt man in der Regel Bus. Warum dann auch nicht zur Anreise? Meine Erlebnisse auf einer Bustour haben Sie, werter Leser, sicherlich schon zur Kenntnis genommen. Irgendwann kam ich allerdings mit meiner späteren Frau auf die Idee mal mit dem Flugzeug nach Belgrad zu reisen. Nach langem Hin-und-her entschieden wir uns für einen Flug mit JAT, der jugoslawischen Fluggesellschaft.

Wenige Tage vor unserer Abreise drohte jedoch aus politischen Gründen ein Flugverbot gegen JAT. Unser Flieger sollte aber unbedingt noch „gehen“. Wir reisten also nach Frankfurt, checkten ein und machten uns auf den Weg durch die Sicherheitskontrollen. In alter familiärer Tradition hatten wir wieder allerhand Barschaften, Geschenke (wie z.B. Dosenbier der Marke „Lindener Spezial“) sowie medizinische Güter im Koffer, im Handgepäck sowie körpernah in der Kleidung.

Der Wartesaal war fast leer. Ein paar potenzielle Turbofolk-Sängerinnen, ein paar Biznes-Men und zahlreiche deutsche Polizisten warteten auf das Boarding. Irgendwann sprangen ein paar Männer mit den Polizisten auf und vollzogen soetwas wie Pre-Boarding in Absprache mit dem Bodenpersonal. Als wir dann die Maschine betraten, war uns klar warum und wieso.

Mit der Maschine von JAT wurden auch ein paar Abschiebungen nach Serbien vollzogen. Ein paar Männer wurden von Polizisten in die Maschine begleitet und mit Handschellen an den Sitzen fixiert… Uns überkam ein leichtes Gefühl von Unwohlsein. Unsere späteren Recherchen offenbarten, dass ein Großteil der Abschiebungen auf dem Balkan über JAT abgewickelt wurden und da unsere Maschine aus politischen Gründen vorerst die letzte Linienmaschine von JAT nach Belgrad war, wurde die Maschien gleich dazu genutzt, den einen oder anderen abzuschieben.

Als wir in Belgrad landeten trat das Anflugverbot für JAT in der EU in Kraft. Wir sind dann tatsächlich mit einem historischen Flug nach Belgrad geflogen. JAT regelte dann für uns einen Rückflug mit einer befreundeten deutschen Fluggesellschaft.

Umgang mit serbischen Grenzpolizisten

Grenzpolizisten sind gleichzeitig Aushängeschild als auch Gatekeeper eines Landes. Für viele sind sie aber auch die ersten Repräsentanten eines Landes, mit denen man in Kontakt kommt. Auch Sie sind als Reisender Repräsentanten – aus diesem Grund sollten sie insbesondere Grenzpolizisten Respekt und Wertschätzung entgegenbringen – dann wird man auch Sie respektieren.

Eines Tages reisten mein Kumpel André und ich mit einem Touring-Bus nach Serbien… Der Busfahrer wählte für einen reibungslosen kollektiven Grenzübertritt den Grenzpunkt Backi Breg aus. Ein etwas kleinerer Grenzübergang, der für eine unkomplizierte Abwicklung auf ungarischer Seite bekannt ist. By the way: für diese unkomplizierte Abwicklung auf ungarischer Seite wurden von jedem Reisenden 5 D-Mark einkassiert..

Vor uns saßen zwei deutsche junge Erwachsene, die die gesamte Fahrtzeit aus Norddeutschland bis zum Grenzübergang zwischen Ungarn und der SFRJ dazu nutzten ihre schier unendlichen Vorräte an Bierdosen zu dezimieren. Mit abnehmender Anzahl verfügbarer Bierdosen nahm die Stimmung und Lautstärke in der Sitzreihe vor uns zu. Gegen Mitternacht kamen wir am Grenzübergang an. Die Ausreise aus Ungarn lief problemlos… dafür sorgte ja die Extra-Abgabe der Reisenden. Die serbischen Grenzpolizisten kamen freundlich in den Bus und kontrollierten sowohl das Reisegepäck als auch die Reisedokumente. Waschmaschinen, Videorekorder und ähnliche Geräte, die im Gepäckraum des Busses transportiert wurden, mussten verzollt werden bzw. Erklärungen hierzu abgegeben werden. Alles kein Problem…

Nun sollten auch die Reisedokumente der fröhlichen Mitreisenden in der Sitzreihe vor uns kontrolliert werden. Die Mitreisenden fingen an zu giggeln und zu lachen. Machten sich lauthals über die Grenzpolizisten und deren Uniform lustig (das ist ein Do Not!!). Ein Wort folgte dem anderen. Die Grenzpolizisten zerrten die beiden Reisenden aus dem Bus. Offensichtlich mussten sie nun ihr Gepäck komplett auspacken, die Reisedokumente der beiden wurden besonders intensiv gecheckt … Beide Mitreisenden hatten nur kurze Hosen und Badelatschen an und mussten nun locker 90 Minuten vor dem Bus warten… Ich habe noch nie Leute so doll frieren gesehen…

Als der Bus dann nach rund zwei Stunden Aufenthalt in Backi Breg weiterfahren durfte, war die Sitzreihe vor uns leise… sehr leise… und fast schon ausgenüchtert. Die Weiterfahrt war dann doch etwas angenehmer.

Das perfekte Catering für die Reise

Wenn Sie eine Reise tun, denken Sie an den Proviant. Einst reisten meine Frau und ich mit einem Flugzeug aus Montenegro nach Deutschland. Meine Großeltern neigen dazu, die Flugzeit deutlich zu überschätzen. So wurden wir kurz vor der Abreise noch mit Pleskavica und Cevapcici gemästet. Auf dem Weg von Ulicinj zum Flughafen Tivat machten wir noch mal in einem Bife halt. Unterschiedliche Balkan-Spezialitäten sollte noch aufgetischt und gegessen werden… Ein paar Kilometer weiter bei Budva sollte ein erneuter Halt sicherstellen, dass auch in den nächsten Tagen ein etwaiges Hungergefühl ausgeschlossen werden sollte…

Kurz vor dem Flughafen in Tivat musste meine Oma kurz noch in Restaurant noch Reiseproviant für uns kaufen: 1 halbes Hähnchen, 1,5 Kilogramm frischgegrillte Cevap in einer Plastik-Tüte und 4 gekochte Eier. O joj…

Doch nicht nur auf die Quantität des Proviants ist zu achten. Auch qualitative Fragen sind zu klären. Ein altes Hausrezept für die „strategische Ernährung“ ist folgendes: Sollten Sie eine Flugreise tätigen und Angst davor haben, dass ggf. unbekannte Mitreisende Ihnen im Flugzeug (zwangsläufig) zu sehr auf die Pelle rücken, essen Sie kurz vor Betreten des Flughafen ein „serbische Frühstück“. Dies besteht aus:

  • einem Mokka
  • zwei Gläser eines örtlichen Zwetschgen-Destillats
  • eine Frühlingszwiebel sowie
  • eine Knoblauch-Zehe.

Dieses Frühstück ist extrem ausgewogen, liegt nicht zu schwer im Magen und hält Ihnen neben Vampiren auch sämtliche anderen Zeitgenossen vom Leib. Sie müssen nur aufpassen. Bei JAT und auch bei serbischen Reisebussen wird diese „strategische Ernährung“ akzeptiert. Ggf. könnte es Ihnen aber passieren, dass Ihnen bei Lufthansa oder Swiss die Stewardess Kaugummies, Zahnbürsten und Deos proaktiv anbietet.

Beim nächsten Mal gebe ich Tipps für die Wahl der adäquaten Sanitäranlagen auf dem Balkan. Ich wünsche Ihnen jetzt srecan put für Ihre Reise auf den Balkan.

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