Slava – Sveti Slava!

Heute ist Slava – bei uns in der Familie. Das ist unter den Familien mit jugoslawischen Migrationshintergrund schon ein sehr bedeutender Feiertag. Jahrelang versuchte man mir das mit „Namenstag“ zu erläutern. Allerdings passt das nicht so ganz. Irgendwie ist der Orientierungspunkt die Familie – die Sippe -, manchmal auch das Dorf oder sonst wer. Der geneigte Leser wird mir zustimmen, dass es jetzt nicht Sinn und Zweck ist, der Bedeutung von Slava auf dem Grund zu gehen und dies auch den Rahmen dieses Blog-Beitrags sprengen könnte. Nähere Informationen zur Bedeutung sind aber im Internet erhältlich: hier. Vielmehr möchte ich zwei Ereignisse beschreiben, die sich rund um diesen Feiertag zugetragen haben:

Wo ist die Münze im Brot?

Anlässlich des Namenstages wird ähnlich dem Osterfest traditionell von meiner Großmutter jugoslawischer Seits ein besonderes Brot gebacken. In diesem Brot wird eine Münze versteckt. Derjenige, der diese Münze dann in seinem Stück Brot findet hat dann in der nächsten Zeit besonders viel Glück. Ich hatte viel Glück – und auch viele Münzen. Interessanter Weise hatte ich extrem häufig Münzen im Brot. Gut, einige Jahre, haben die Kinder in der Familie jeweils ein eigenes Brot bekommen – jeder/jede für sich. Aber es gab auch Jahre, in denen es nur ein großes Brot gab. Aber meine Oma gab mir dann doch auch den einen oder anderen Hinweis, in welcher Region im Brot die Münze versteckt war. Zum Leidwesen der anderen Familienmitglieder, die dann vermutlich Jahrelang vom Pech verfolgt waren… Spaß beiseite… in den ersten Jahren meiner Kindheit führte es dazu, dass ich geglaubt habe, dass immer im Brot meiner Großeltern Geldstücke versteckt seien. Ich habe auch schon mal eine kleine Münze verschluckt, weil der Biss ins Brot zu groß war. Auch die Frage, wo in welchem Teil des Brotes die Münze sei, verstand mein Bäcker in Hannover nicht, als ich nach einem Herbst-Urlaub in Serbien wieder ein Roggenmischbrot kaufen sollte.

Redselige Mitreisende nach Belgrad

Traditionell wird das Fest immer beim ältesten Familienmitglied an einem Standort durchgeführt. Mein Großvater war mitten in den Vorbereitungen. Der Slivovic wurde gekocht, Rasen gemäht, das Auto poliert und die Zutaten für das Festessen besorgt. Mein Opa brauchte meine tatkräftige Unterstützung und bat mich mit ihm gemeinsam nach Uzice zu fahren, um dort bei Verwandten das eine oder andere für das Fest abzuholen. Wir machten uns deshalb ein-zwei Tage vor dem eigentlichen Fest auf dem Weg mit dem frisch polierten Auto durch Serbien, um bei einem Neffen meines Großvaters Fleisch abzuholen. Ich wunderte mich warum mein Großvater mehrere Planen mitnahm und damit den Kofferraum seines Passat Variants und die Rücksitze verkleidete. Na gut, dachte ich mir. Warum nicht. Immerhin rechnete mein Großvater mit rund 50 Besuchern an Fest. Dafür sollte ja nun Grillgut jeglicher Art besorgt werden. Die Tour von Beograd nach Uzice kann durchaus etwas länger dauern. Irgendwann kamen wir dann auch mal auf dem Hof eines Onkels an. Der Onkel war mir eigentlich bekannt als derjenige, der den besten Slivovic der Familie brannte. Nebenbei: Bei der Begrüßung stellte sich heraus, dass mein Onkel sich aus Anlass unserer Ankunft kurz vorher rasierte. Sein Rasierwasser war 100% Slivovic. Alles andere war als Rasierwasser-Ersatz im serbischen Bergdorf kaum zu haben.

Zu dritt begutachteten wir die Ställe meines Onkels, goutierten den neuen Slivovic, 1-2-3-4 Mal und suchten uns dann ein Ferkelchen und ein kleines Lämmchen aus. Beide Tiere wurden dann fachgerecht in den Passat Variant verladen werden. Das Ferkel durfte auf der Rücksitzbank Platz nehmen, dass Lämmchen machte es sich im Kofferraum gemütlich. Und so machten wir uns dann langsam auf dem Weg zurück nach Belgrad… Die Fahrt wurde länger und länger. Lämmchen und Ferkelchen wurden mit wachsender Fahrtzeit redseliger und mähten und quiekten vor sich hin.


(Hier zur Veranschlaulichung. Youtube sei Dank!)

Ein paar Tage später besuchte ich mein Großvater dann zum Slava-Fest. Es war das erste Mal, dass ich bei einer Familienfeier ausschließlich Brot, Burek, Salat und gebratene Paprika aß. Immer wieder wenn ich das gegrillte Spanferkel und Lammfleisch sah, musste ich an die redseligen Mitfahrer denken.

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2 Gedanken zu “Slava – Sveti Slava!

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