Henne-Ei-Problem im serbischen Pfandflaschen-System offengelegt

Der ökologische Wahn macht auch nicht vor Serbien halt. Am Abend eines der letzten Samstage zog es mich mit meiner Kernfamilie in einen Supermarkt im Herzen einer serbischen Provinz-Metropole. Wir wollten Zutaten für ein vrlo serbisches Abendessen kaufen. Es sollte Cevap, Sataras mit Hleb und Kajmak geben. Mnjam. Dazu neben unterschiedlichen typischen Kaltgetränken, wie Knjaz Milos-Wasser, Cockta (Cola-ähnliches Getränk aus Slowenien, das aus Hagebutten gemacht wird – glaube ich) auch echtes serbischen Bier.

Wir hatten alle Zutaten zusammen und standen nun an der Kasse. Die Kassierer zog eine Zutat nach der anderen über ihre Scanner-Kasse. Die Vorfreude auf das baldige Essen stieg bei jeder Zutat, die über den Scanner gezogen wurde. Wenige Sekunden sollten uns noch von dem Bezahlprozeß trennen. Glaubten wir.

Allerdings weigerte sich die Kassiererin uns das Bier in Flaschen zu verkaufen: „Es tut mir leid, ich kann Ihnen das Bier nicht verkaufen“. Wir rätselten. „Warum nicht?“. „Sie haben keine Pfandflaschen abgegeben!“, stellte die Kassiererin schlau fest. „Stimmt. Warum auch?“. „Aber dann darf ich Ihnen kein Bier verkaufen“? Ok. Bestechende Logik. Es entbrannte eine heiße Diskussion, die versuche mal nachzuzeichnen:

  •  „Wo ist das Problem?“
  • „Ich darf Ihnen nur Bier verkaufen, wenn Sie auch Flaschen zurückbringen“.
  • „ja, ich möchte gerne nach dem Konsum der Flaschen diese auch wieder zurückbringen“.
  • „Tut mir leid, Sie müssen erst Flaschen zurückbringen – vorher gibt es kein neues Bier“.
  • „Aber, wenn ich kein Bier kaufen kann, dann kann ich auch keine Flaschen zurückbringen – und dann kann ich keine neuen Flaschen mehr kaufen“.
  • „Stimmt“, attestierte die Verkäuferin. „Trotzdem: Ohne Pfand keine Flaschen“.

Wir standen vor einem echten Henne-Ei-Problem. Es entstand ein diffuses Streitgespräch zwischen der Kassiererin und einem meiner Familienmitglieder.

Langsam knurrten die Mägen. Die Laune sank aber zunehmend aufgrund der immer merkwürdig werdender Diskussion mit der Kassiererin…

Obwohl ich absoluter Gegner noch Einwegdosen bin, kam mir eine pragmatische Lösung in den Sinn, mit der ich nun versuchte die Wogen zu glätten und den gordischen Knoten zu durchschlagen:

  • „Hören Sie, junge Frau. Darf ich diese Bierdosen hier kaufen? Oder muss ich vorher auch leere Dosen abgegeben haben?“
  •  „Nein, natürlich, die dürfen Sie kaufen – aber die Bierflaschen nicht.“.

Leicht geknickt, da wir nun mit Einweg-Dosen vorlieb nehmen mussten machten wir uns auf den Weg über die Straße in die zentral gelegene Wohnung, um nun unser typisch serbischen Mahl zuzubereiten.

Allerdings führte uns der Wunsch meines Sohnes Chips zu essen erneut in die Höhle der diskussionsfreudigen Verkäuferin… Diesmal passierten wir die Kasse ohne ernsthafte Diskussionen.

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