Chuck Norris aus der Salatschüssel

Unterschiedliche komparative Untersuchungen über das Mediennutzungsverhalten kommen zu dem Schluss, dass gerade in Südosteuropa der durchschnittliche Fernsehkonsum deutlich über dem Fernsehkonsum in den anderen europäischen Ländern liegt. Dies deckt sich mit den Ergebnissen meiner empirischen Analysen.

Die Gründe hierfür sind u.a. auf medienwissenschaftlicher und soziologischer Ebene zu suchen – der geneigte Leser müsste dies bei Bedarf an anderer Stelle nachlesen oder erörtern.

Lassen Sie mich dennoch das eine oder andere Erlebnis nachzeichnen, dass die intensive Mediennutzung auf dem Balkan in besonderer Weise darstellen soll:

 

Chuck Norris aus der Salatschüssel

Der Erfinder in der Familie kam mal auf die Idee sich eine Satelliten-Schüssel zu bauen. Für den Parabolspiegel musste eine ideale Schüssel im Fundus der familiären Salatschüsseln gefunden werden. Mit einer eigenwilligen Konstruktion aus Wasserhähnen und anderen metallischen Accessoires sollte eine Halterung gebaut werden. Mit etwas elektronischem Geschick wurde dann auch das Antennenkabel mit der eigenwilligen Konstruktion verbunden.

Nach mehrmaligen Versuchen, die ideale Position eines Satelliten zu finden und allerlei Skepsis der Nachbarschaft, passierte ein Wunder: Es konnte nun der Sender RTL2 empfangen werden.

So fand nun auch Chuck Norris als der „Texas Ranger“ schnell auf den heimischen Bildschirm außerhalb des normalen Sendegebiets von RTL2. Ganz schnell avancierte dann Chuck Norris in seiner Rolle zum Fernsehheld unterschiedlicher Bewohner eines Stadtteils der Küstenstadt Ulcinj. Denn: Natürlich haben sog. „Public-Viewings“ eine lange Tradition auf dem Balkan – und – es ist eine gewagte These – haben ihre Genese auch auf dem Balkan – sonst hätte ja das „Public“ kein „ic“ im Wort.

Mal ehrlich: Chuck Norris könnte hier vom familiären Erfinder noch lernen.

 

Mit „Chuck“ in die Gruft

Inspiriert von den Erfolgserlebnissen um den Bau einer TV-Empfangsschüssel und den vielen Texas-Ranger-Abenden präsentierte der familiäre Erfinder schon bald der kopfschüttelnden Familie das Konzept für die familiäre Gruft. Neben allerhand besonderer Features, wie einer exclusiven Lage und besonderer Sonneneinstrahlung sollte auch ein Telefonanschluss und ein Kabelanschluss die Unterhaltung und der Kontakt zu anderen Familienmitgliedern auch im Jenseits sicherstellen. Die kopfschüttelnde Familie konnte diese teils makabre Idee kaum glauben. Doch der geneigte Leser kann mit erstaunen konstatieren, dass der lokale TV- und Telefonanbieter im Umland von Belgrad auch in der Lage ist, Telefon- und Kabel-TV- Dosen auf Friedhöfen zu verlegen.

Doch glücklicher Weise wird Chuck Norris noch lange warten müssen, bis er dann erstmals in einer Gruft gesehen wird.

Die Wahrheit über den Ursprung von Musikvideos

Die intensive und ausgiebig gefeierte Diskussion um „kulturimperalistische Einflüsse“ aus den USA kann nach intensiver Medienforschung anders gewertet werden. Denn, ähnlich wie es beim Telefon ist oder auch beim Elektromobil ist, sind die Fundamente des heutigen Musikfernsehens in Südosteuropa zu suchen: Schon Ende der 70er-Jahre hatten Musiksendungen einen wesentlichen Anteil am jugoslawischen Fernsehprogramm. Sowohl in er indigenen Bevölkerung und auch bei den Yugo-Retten in der Dijaspora wurden Sendungen wie „Hitparada“ o.ä. sehr gerne wahrgenommen. Die GfK hätte ein großes Vergnügen die Quoten dieser Sendungen festzulegen. Auch heute noch dominieren Musiksendungen bei TV Pink, RTS und diversen anderen Sendern auf dem Balkan den Sendeplan. Ich bin mir sicher, dass sich die Erfinder von MTV vom Fernsehprogramm zwischen Wurzenpass und Skopje haben inspirieren lassen. Hier ein gutes Beispiel:

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In diesem Sinne: … Stay tuned.