Lokalverbot, Halskrause & nachhaltige Geschäftsmodelle – Taxifahren in Südosteuropa

Habe ich schon einmal erwähnt, dass Taxi-Fahren in Südosteuropa mich immer wieder vor besonderen Herausforderungen stellt? Der geneigte Leser mag sich erinnern, dass ich erst kürzlich über die Droschken-Nutzung in Athen berichtete.

Ich scheue nun nicht die jüngsten Erlebnisse mit den wenigen Lesern dieses Beitrags nun zu teilen: 

Sind Sie schonmal in der rumänischen Metropole Bukarest mit dem Taxi gefahren? Bereits bei der Lektüre eines Städtereiseführers dämmerte es mir, dass dies ein kompliziertes Unterfangen darstellen könnte. Ich las von Taxi-Gesellschaften, die gemieden werden sollten aufgrund ihrer besonderen, sportlichen Tarifierung. Habe in Online-Rezensionen gelesen, dass immer wieder Reisende abgezockt werden… Mit einem gesunden Mistrauen und einer gewissen Grundeinstellung landete ich nun am Flughafen OTP. Mittels eines Automaten wird ein Ticket für das Taxi gezogen. Kennzeichen, Kilometer-Preis und Steuernummer waren genannt. Das für mich speziell reservierte Taxi wurde schnell gefunden. Die Fahrt in mein Hotel ging schnell – Preis war durchaus ok. Ein Trinkgeld sollte meine Wertschätzung gegenüber dem zuvorkommenden Fahrer ausdrücken. Alles fein.

Nach den ersten Meetings hatte ich nun die Gelegenheit mir die Stadt zu Fuß anzuschauen. Den Rückweg zum Hotel wollte ich mir nun mit einer angenehmen Daciafahrt versüßen. Ich fragte den potenziellen Fahrer nach dem etwaigen Preis zum Hotel (Entfernung: 3km). Der Fahrer antwortete: 50,– Euro. Ich fragte: „oh, I am sure that 15,– Euro is a high price.“ Die Antwort den windigen Geschäftmanns: „No, Sir – the price is 50 Euro.“ Meine Erfahrung sagt mir, dass ich auch in einer güldenen Kutsche 50 Euro nicht angemessen wäre. Meine Antwort: „come on, guy, what the fuck. 50,– is too high I don’t want to buy neither your car nor your house.“

Ich habe danach gelernt, dass es ein hervorragendes Bus- und Bahnnetz in Bukarest gibt. Für die Fahrt zum Hotel habe ich nun 0,50 Euro bezahlt. So einfach habe ich nun 49,50 Euro gespart und werde künftig das ÖPNV-Netz in Bukarest nutzen.

Immer wieder falle ich auf die Gepflogenheiten in Athen herein. Mit Kollegen fuhr ich vom Flughafen der griechischen Metropole in das Büro-Gebäude des Unternehmens, für das ich arbeite. Vor dem Taxistand nahmen wir das Schild war: 38,– flat tariff to city centre. Der Fahrer sagte mir, wir fahren nach Taximeter – die Fahrt wird rund 30,– Euro kosten… Nun – am Ende der Fahrt stellte sich aber heraus: Es kommen noch Flughafenzuschlag, Gepäckzuschlag, Maut und vieles mehr dazu. Letztlich landeten wir bei einer Rate von 49,– Euro. Jebi ga, rumänische Verhältnisse. By the way: Für die Rückfahrt mussten nur 30,– Euro gezahlt werden – inklusive Gedöns. 

@ Malaka from the first cab: your pricing strategy is not sustainable. Next time I will take the bus or the metro. Jebi ga. 

In Sarajevo sollte mich jüngst ein Taxifahrer zu einem fairen Preis am Flughafen aufpicken. Leider baute er auf die Fahrt zum Flughafen einen Unfall. Er empfahl mir telefonisch, dass ich am Flughafen auch den Flughafenbus nehmen kann. Diese Anbindung ist sehr gut. Eine Fahrt zur Baščaršija kostet nur 2,– Euro. Super Service! Am nächsten morgen musste ich jedoch gegen 4:00 Morgens – wenn in Sarajevo der Flughafenbus noch im Depot schlummert – meine Weiterreise antreten. Es holte mich der Taxifahrer ab. Seinem Auto war jedoch kein Unfall anzusehen: „Auto ist in der Werkstatt – das ist mein privates Auto – ich habe ja versprochen Sie zu fahren.“ Super Service. Preis war toll. Hvala. 

Jüngst reiste ich nach Skopje. Meine mazedonischen Kollegen handelten vorab einen guten Preis für die Fahrt aus dem Stadtzentrum zum Flughafen aus. Die Fahrt in einer sehr neuen Limousine war angenehm. Als ich bei der Bezahlung nun nach einer Rechnung fragte, war es ein Problem. Die Fahrt sollte nun umgerechnet 5,– Euro mehr kosten. Und natürlich erwartete der Fahrer nun auch ein noch angemesseneres Bakschisch. Nach ellenlangen Diskussionen und vielen balkanischen Flüchen einigte ich mich mit dem Fahrer einvernehmlich getrennte Wege zu gehen.

Mein mitreisender Chef und ein Kollegen fragten erstaunt – „Mensch, worüber hattet Ihr jetzt so lange diskutiert?“. Noch immer auf 180 versuchte ich die Diskussion auf die wesentliche Punkte zusammen zu fassen: „Kurzum: wir sprachen über Genitalien.“  Künftig habe ich nun Lokalverbot in einem Taxi in Skopje. 

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