Die Sache mit den Plastikbeuteln

Der geneigte Leser, der auch den persönlichen Kontakt zum Autor dieser Zeilen pflegt, weiss, dass ich gerne mal etwas vorlaut bin. Zuweilen auch etwas zu viel…

Auf einer meiner letzten Reisen in die Länder des westlichen Balkans durfte ich in den Genuss einer intensiven Sicherheitsprüfung kommen. Hätte ich doch bloß einmal mehr meine Klappe gehalten… es war so schwer.

An einem frühen morgen auf dem Weg zu einem „Roten Augen Bomber“ auf dem Flughafen Köln/Bonn kam ich sehr stark übermüdet und leicht gereizt am Flughafen in die obligatorische Sicherheitsprüfung.

Dummerweise entsprach mein Plastiktüten-Kulturbeutel-Surrogat nicht den kompletten Vorgaben, die die Plastiktüten-Mafia erfolgreich in Folge der terroristischen Ereignisse 2001 lobbyiert hatten. Zur Erinnerung: Durchsichtige Plastiktüte, nicht mehr als 1 Liter Fassungsvermögen und Zipp-Verschluss. Nun, mein Kulturbeutel-Surrogat hatte nun ein potenzielles Fassungsvermögen von 3 Litern. War also nun etwas größer… zu groß.

Als ich stolz und durchaus selbstbewusst meinen Kulturbeutel-Ersatz auf das Durchleuchtungsband legte, wurde ich relativ unfreundlich von dem Sicherheitsmitarbeiter des Flughafens darauf hingewiesen, dass mein „Kulturbeutel“ nun nicht den europäischen Sicherheitsbestimmungen entspräche.

Auf meine Frage, was der Blödsinn sollte –

• das Ding sei schließlich durchsichtig.

• Die mitgeführten Flüssigkeiten seien deutlich weniger als potentiell möglich

• und das Ding habe einen Zipp-Verschluss,

bat mich der Mitarbeiter am unmittelbar benachbarten Automaten ein Kulturbeutel-Ding in der richtigen Größe zu kaufen. Leider hatte ich kein Kleingeld und mit Scheinen oder Karte konnte nur nicht bezahlt werden. Nun ging das hin und her – ein Wort führte zum Nächsten – bis mir ein Mitreisender kommentarlos eine entsprechende Tüte rüberreichte.

Der Sicherheitsmitarbeiter sagte mir dann aber noch: „Ich bin nicht verantwortlich für die Scheiß deutschen Gesetze – ich bin aus Kosovo“. Der geneigte Leser ahnt bestimmt Böses.

Und ja… Ein etwas lauteres „Hey, das ist schön, dass sie aus Südserbien kommen – ist mir aber scheißegal“ entfleuchte meinem Kommunikationsapparat in der Mitte meines durchaus charmanten Gesichts. Nun war Holland in Not. Der Mitarbeiter korrigierte „Kosovo!“ meine Antwort: „Sag ich doch, Südserbien. Ist aber auch egal“.

Die Augen meines Gegenüber wurden ernster. Man kniff die Augen zusammen. Was folgte, war ein sehr – sehr – sehr intensiver Check meines kompletten Gepäcks, dem Nachmessen meiner Flüssigkeiten und so ziemlich alles an mobiler Kleidung, die ich an meiner Haut trug.

Bei dem intensiven Abtasten konnte ich erneut meinen Mund nicht halten: „Wenn mich schon sonst niemand anfasst, genieße ich solche Momente immer sehr gerne“.

Dummerweise hatte auch dieser Sicherheitsbeamte keinen wirklichen Sinn für Humor. Ich konnte leider nicht herausfinden welcher Provenienz nun dieser freundliche Herr in Uniform war. Auf mein gepflegtes serbokroatisches Gefluche wurde nicht reagiert. Das war für mich dann der Hinweis, dass dieser Mann offensichtlich nicht aus Serbien, dem Kosovo oder sonst einem Kandidaten-Status-Land der EU kam.

Seit diesem Ereignis bin ich inzwischen bei den Sicherheitskontrollen etwas zurückhaltender. Aber die Vorlage des ersten Sicherheitsmanns war für mich eine Einladung darauf zu reagieren… Das sieht doch geneigte Leser auch so, oder?

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